Die Kunst des Parfümmischens

Ein Parfumeur sitzt an seinem Tisch und riecht an seinen Fläschchen - erstellt mit KI

 

Allgemeines und Historisches

Einen Wohlgeruch zu kreieren, ist schon seit Tausenden von Jahren den Menschen ein Anliegen.
Der Grund dahinter ist vielfältig: den Göttern zu opfern, einen Duft, um sexuell anziehend zu wirken, der eigenen Nase zu schmeicheln als Akt der Selbstliebe oder um die eigene gesellschaftliche Stellung damit zu repräsentieren (nur den Reichen oder Adeligen war es möglich, teure Parfüms und Kosmetik zu kaufen).

Die allerersten natürlichen Düfte wurden noch durch das Ausziehen in Ölen oder Fetten (Rindertalg oder Schweineschmalz) gewonnen. Später kam die Destillation hinzu.

Das älteste Parfümbuch (Le Secrets de Maistre Alexys) stammt aus Frankreich und wurde 1555 geschrieben. Doch sind auch von den alten Ägyptern auf Papyrus und Grab- oder Tempelwänden einzelne Rezepte bekannt (z. B. Kyphi).

Entstehung des Berufes Parfümeurs

Der Beruf des Parfümeurs war ein Nebeneffekt des Berufs des Handschuhmachers.
Da manchmal das Leder des Handschuhs schlecht gegerbt worden war und somit unangenehm roch, mussten sich die Handwerker etwas einfallen lassen, um die Ware an den Kunden anbringen zu können.
So gingen sie dazu über, das Leder mit wohlriechenden Gerüchen zu parfümieren. Dazu wurden die Handschuhe mit einem Olivenöl-Mazerat (duftende Pflanzenteile werden in Öl ausgezogen) nach dem Gerben eingelassen. So wurde das Leder geschmeidig und roch angenehm.

Mit dieser Methode (Sämischgerbung) wird auch heute noch gearbeitet.

Die ersten gewerbsmäßigen Parfümeure waren in Florenz, Paris und Grasse angesiedelt (16. Jahrhundert).
Grasse, eine Stadt in der Provence (Süden Frankreichs), machte sich rasch einen Namen als Parfümstadt. Dies ist auch heute noch so. Ringsum wurden und werden viele Duftpflanzen angepflanzt.
Von Rosen, Iris, Lavendel, Lavandin, Jasmin bis hin zu Orangen- und Zitrusbäumen reicht die Auswahl. Katharina von Medici war eine Förderin Grasses und bezog viele Düfte von dort.

Länder und Kulturen

Auch die Italiener, Araber und Ägypter waren bei der Herstellung von Parfüms und duftender Kosmetik weit vorne.

Das berühmte Rezept des Eau de Cologne erfanden die Italiener im Jahre 1725. Das Rezept ist bis heute geheim und wird in Köln von der Firma Farina gehütet.

Bei den Ägyptern waren Parfüme den Göttern und Göttinnen sowie dem Hochadel vorbehalten. Weniger wertvolle Substanzen waren dann auch der breiteren Masse zugänglich.
Zu den teuersten Substanzen zählten Lotus, Jasmin, Myrrhe, Weihrauch, Zimt, Sandelholz, Zeder.

Der arabische Arzt Avicenna (980–1037) galt als Erfinder der Wasserdampfdestillation mittels Kühlschlange und der Rosen­destillation. Es gab aber noch weit ältere Destillen.

Weiterentwicklung mit synthetischen Inhaltsstoffen

Mit der Entdeckung der synthetischen Inhaltsstoffe wurden aus den natürlichen Parfüms und Kosmetik die uns bekannte konventionelle Kosmetik und Dufterzeugnisse wie Parfüms, Raumsprays usw.
Der Duft von künstlichem Vanillin wurde erstmals 1874 hergestellt. Dieser Duft prägt auch das Papier von alten Büchern.

Eines der berühmtesten Parfüms ist von Coco Chanel Nr. 5.
Es ist geprägt von synthetischen Aldehyden (talgiger Geruch von synthetisch hergestellten Fettaldehyden – natürliche Alternative ist Lemongrass oder Litsea) und leitete eine neue Ära in der Parfümindustrie ein.

Unterschiede zwischen Parfüm, Eau de Parfüm, Eau de Toilette und Eau de Cologne

  • Parfum 20–40 % Duftstoffe – intensivste Duftintensität, hält am längsten an. Für Abende, Winter

  • Eau de Parfüm 10–20 % – Abend/Winter

  • Eau de Toilette 6–9 % – Tag/Frühling, Herbst

  • Eau de Cologne 3–5 % – Tag/Sommer, schnell flüchtig zur Erfrischung, weniger zum Parfümieren

Parfümarten

  • Cremeparfum

  • Ölparfüm

  • Parfum auf Alkoholbasis

  • Aftershaves

Moderne Parfüms beinhalten zwischen 50–200 verschiedene Komponenten. Die Auswahl kann zwischen 2600 synthetischen Duftstoffen und 400 natürlichen Duftstoffen aufweisen.
Bei einem reinen Naturparfüm ist die Auswahl ca. zwischen 300 verschiedenen ätherischen Ölen, Absolues, Extrakten und Hydrolaten.

Materialien zum Herstellen eigener Dufterzeugnisse

  • ätherische Öle, Absolues, Extrakte

  • 96 % Alkohol

  • destilliertes Wasser

  • Hydrolate

  • Leerbehälter in verschiedenen Größen (5 ml, 10 ml, Roll-on, Tiegel, Sprühflaschen, Pipette)

  • Duftstreifen, Kaffeefilter

  • Magnesiumcarbonat (gegen Trübungen)

  • Jojobaöl

  • Notizbuch und Klebeetiketten

  • Unempfindliche, abwischbare Unterlage

Die magische Wirkung von Liebesdüften

Den einzigartigen, persönlichen und unverfälschten Geruch eines neuen Partners oder Partnerin ist ein Abenteuer. Und nur wenn der Duft als angenehm, ja erregend ist, kann mehr daraus werden.

Aufbau einer Duftkomposition

Egal ob Parfüm oder Raumbeduftung – das Konzept ist das gleiche.
Es setzt sich aus der Duftpyramide mit Kopf-, Herz- und Basisnoten zusammen.
Ein anderes Konzept ist das Fru-Flo-Ra-Prinzip oder der Aromatree.

Basisnoten, Herznoten und Kopfnoten

Basisnoten fixieren die schneller flüchtigen Düfte. Sie sind am längsten riechbar und meist schwerer vom Duft. Viele Basisnoten werden aus Wurzeln, Rhizomen, Rinde, Holz oder Harzen gewonnen.
Haltbarkeit: ca. 8 Stunden
Beispiele: Iris, Benzoe Siam, Angelikawurzel, Cistrose, Patchouli, Sandelholz, Vetiver, Narde, Zeder, Myrrhe, Zimt, Nagar Motha, Adlerholz, Honig, Elemi, Opoponax, Moschuskörner, Palo Santo, Tonkabohne, Tolu, Styrax

Herznoten bilden im wahrsten Sinn des Wortes das Herzstück eines Parfüms. Es sind großteils Blütendüfte, doch auch Blätter oder das blühende Kraut kommen zum Einsatz.
Haltbarkeit: 2–4 Stunden
Beispiele: Rose, Ylang-Ylang, Jasmin, Osmanthus, Champaca, Narzisse, Lavendel, Neroli, Rosengeranie, Gewürznelke, Davana, Tuberose, Frangipani, Boronia, Ginster, Kamille, Lindenblüte, Lotus, Magnolienblätter, Melisse, Mimose, Palmarosa, Veilchenblätter

Kopfnoten werden als erstes wahrgenommen und verflüchtigen sich am schnellsten.
Haltbarkeit: ca. 20 Minuten
Sie stammen meist aus Zitrusfrüchten, Kräutern und Nadelhölzern.
Beispiele: Bergamotte, Blutorange, Bitterorange, Orange süß, Grapefruit, Mandarine, Clementine, Limette, Zitrone, Verbena, Lemongrass, Litsea, Pfefferminze, Nanaminze, Basilikum, Ysop

Brückennoten

Kopf–Herz: Koriander, Lavandin, Myrte, Pfeffer, Douglasie, Kümmel, Lorbeer, Muskatnuss, Tanne, Kiefer, Fenchel, Ingwer
Herz–Basis: Ho-Blatt, Kardamom, Vanille, Weihrauch, Immortelle, Linaloeholz, Rhododendron, Rosenholz, Kakao, Kaffee

Duftrad nach Dr. Günther Ohloff

Holzig, fruchtig, harzig, grün, animalisch, würzig, blumig

Duftfamilien

  • Blumig (fruchtig, holzig, grün)

  • Holzig (würzig, aromatisch, Chypre, Moschus)

  • Aromatisch (würzig, grün, fruchtig, Fougère)

  • Chypre (fruchtig, blumig)

  • Zitrus (aromatisch, gourmand)

  • Orientalisch (blumig, holzig, würzig, Fougère, Vanille)

Hydrolate für Dufterzeugnisse

Beispiele: Rose, Lavendel, Zirbe, Sandelholz, Hamamelis, Melisse, Orangenblüte, Rosmarin, Zeder usw.

Vor dem Mischen

  • Was ist mein Anliegen? (körperlich, seelisch, Raumduft, Parfüm usw.)

  • Welche Duftrichtung soll es werden, wann will ich es nutzen, für welchen Anlass?

  • Wenn Parfüm – welche Intensität? (Eau de Parfüm, Eau de Toilette usw.)

  • Welche Art von Parfüm? (Ölparfüm, Alkoholbasis)

Mischen

  1. Alles an Zubehör vorbereiten und mit Alkohol desinfizieren

  2. Duftstoffe bereitstellen

  3. Tropfenweise mit Basis-, Herz- und Kopfnote beginnen

  4. Immer wieder schwenken und neue Tropfen hinzugeben

  5. Alles genau notieren

  6. Wenn der Duft fertig scheint, auf einen Duftstreifen geben und riechen

  7. Gegebenenfalls noch Tropfen hinzufügen

  8. Erneut auf Duftstreifen zur Kontrolle geben und riechen

  9. Parfüme müssen reifen, speziell auf Ölbasis (ca. 4 Wochen)

  10. Die fertige Duftkomposition darf einen klangvollen Namen bekommen

Gesundheit unterstützen

Für das Erstellen eigener Rezepturen bei körperlichen Symptomen benötigt man das Wissen der chemischen Inhaltsstoffe und deren Wirkung.
Für Laien empfiehlt es sich, fertige Produkte zu kaufen oder sich an gute Sach- und Fachbücher und deren Rezeptmischungen zu halten.

Mischen von Duftkompositionen (Raumbeduftung, Kosmetik)

6er-Regel:
Aus Kopf-, Herz- und Basisnote werden maximal 6 Tropfen auf 20 m² Raumgröße gemischt.
Beispiel: 2/2/2 oder 1/2/3

Dosierungstabelle

  • Eau de Cologne 3–5 % → ca. 8–12 Tropfen auf 9 ml Jojoba oder Alkohol/Hydrolate

  • Eau de Toilette 5–9 % → ca. 12–23 Tropfen auf 9 ml Jojoba oder Alkohol/Hydrolate

  • Eau de Parfüm 10–20 % → ca. 23–45 Tropfen auf 9 ml Jojoba oder Alkohol/Hydrolate

Buchtipp

Ein wunderbares Buch zum Einsteigen in dieses Thema ist
„Vom Zauber des Parfüms“ von Ingrid Kleindienst-John – erhältlich bei mir.

Disclaimer

Ich habe keine medizinische Ausbildung. Alle meine Berichte resultieren aus persönlicher Erfahrung und Ausbildungen. Meine Blogbeiträge dienen zur reinen Information.
Sie ersetzen weder eine Therapie noch einen Arztbesuch.
Ich gebe damit auch keine Heilversprechen ab. Auch von mir veröffentlichte Rezepte sind auf eigene Verantwortung einzusetzen.
Gerne können wir uns einen Aroma-Beratungstermin ausmachen, aber ohne ein persönliches Kennenlernen ist es mir nicht möglich, eine genaue Aufstellung oder Rezeptur für dich abzugeben.
Deswegen kann ich auch keine Haftung dafür übernehmen, da diese Verantwortung beim Leser liegt.

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Sagt es deiner Nase zu, ist es möglich, die Öle bei mir zu erwerben. Ich berate dich gerne dabei.

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Bildquelle: erstellt mit ChatGPT

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